Die Profiltiefe beeinflusst das Fahrverhalten und die Wasserverdrängung eines Reifens. Eine regelmäßige Kontrolle ist daher sinnvoll.
Warum die Profiltiefe wichtig ist
Das Reifenprofil unterstützt die Ableitung von Wasser und beeinflusst die Haftung auf der Fahrbahn. Mit zunehmendem Verschleiß kann die Leistungsfähigkeit eines Reifens abnehmen.
Die Profiltiefe sollte nicht nur an einer Stelle, sondern an mehreren Positionen über die gesamte Lauffläche kontrolliert werden.
Ungleichmäßiger Verschleiß
Ist das Profil innen, außen oder nur auf einzelnen Bereichen deutlich stärker abgefahren, kann dies auf falschen Luftdruck oder andere technische Ursachen hinweisen.
Reifenwissen und Fahrsicherheit
Reifenprofiltiefe richtig messen: Mindestprofil, Empfehlungen und Messmethoden

Das Reifenprofil ist entscheidend dafür, wie zuverlässig ein Fahrzeug beim Bremsen, Lenken und Beschleunigen auf der Fahrbahn bleibt. Besonders bei Regen, Schneematsch oder Schnee müssen die Profilrillen Wasser und lose Niederschläge aufnehmen und seitlich ableiten. Mit zunehmendem Verschleiß nimmt diese Fähigkeit ab. Deshalb sollte die Profiltiefe nicht erst kurz vor dem nächsten Reifenwechsel oder der Hauptuntersuchung kontrolliert werden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Für Pkw-Reifen gilt in Deutschland eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern.
- Für eine höhere Sicherheitsreserve werden bei Sommerreifen mindestens 3 Millimeter empfohlen.
- Winter- und Ganzjahresreifen sollten für den Einsatz bei winterlichen Bedingungen möglichst noch mindestens 4 Millimeter Profil besitzen.
- Gemessen wird in den breiten Hauptprofilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche.
- Entscheidend ist der niedrigste gemessene Wert, nicht der Durchschnitt aller Messungen.
- Risse, Beulen, eingefahrene Fremdkörper und ungleichmäßiger Abrieb können einen Reifen auch bei ausreichender Profiltiefe unbrauchbar machen.
Inhaltsverzeichnis
- Warum ist das Reifenprofil wichtig?
- Welche Mindestprofiltiefe ist vorgeschrieben?
- Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen
- Profiltiefe richtig messen
- Messmethoden im Vergleich
- TWI und Verschleißindikatoren
- Ungleichmäßigen Abrieb erkennen
- Profiltiefe bei TÜV, HU und Polizeikontrolle
- Wann sollten Reifen gewechselt werden?
- Reifenverschleiß reduzieren
- Häufig gestellte Fragen
Warum ist eine ausreichende Reifenprofiltiefe so wichtig?
Die Reifen bilden die einzige direkte Verbindung zwischen Fahrzeug und Fahrbahn. Jede Lenkbewegung sowie die beim Beschleunigen und Bremsen entstehenden Kräfte müssen über eine vergleichsweise kleine Aufstandsfläche übertragen werden. Der Zustand der Reifen wirkt sich deshalb unmittelbar auf das Fahrverhalten aus.
Auf trockener Straße entsteht die Haftung vor allem durch die Gummimischung und den Kontakt zur Fahrbahn. Bei Regen übernimmt das Reifenprofil eine zusätzliche Aufgabe: Die Rillen müssen Wasser aus der Aufstandsfläche verdrängen. Ist das Profil stark abgefahren, kann weniger Wasser aufgenommen und abgeleitet werden. Der Reifen verliert früher den Kontakt zur Fahrbahn und das Risiko für Aquaplaning steigt.
Bei Winterreifen kommt eine weitere Funktion hinzu. Die zahlreichen Lamellen und Profilkanten sollen sich mit Schnee und Schneematsch verzahnen. Mit abnehmender Profiltiefe werden diese Strukturen flacher und können ihre Aufgabe zunehmend schlechter erfüllen. Ein Reifen kann daher rechtlich noch zulässig sein, obwohl seine Leistungsfähigkeit unter schwierigen Witterungsbedingungen bereits deutlich nachgelassen hat.
Typische Folgen eines zu geringen Reifenprofils
- verlängerter Bremsweg auf nasser oder verschneiter Fahrbahn,
- erhöhte Gefahr von Aquaplaning,
- schlechtere Seitenführung in Kurven,
- geringere Traktion beim Anfahren und Beschleunigen,
- instabileres Fahrverhalten bei Ausweichmanövern,
- unzureichende Wintereigenschaften bei Schnee und Schneematsch,
- Probleme bei Hauptuntersuchungen oder Verkehrskontrollen,
- mögliche rechtliche und versicherungsrechtliche Folgen bei einem Unfall.
Welche Mindestprofiltiefe ist gesetzlich vorgeschrieben?
Für Pkw-Reifen schreibt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vor. Die Vorgabe gilt grundsätzlich für Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen. Maßgeblich ist das sogenannte Hauptprofil.
Zum Hauptprofil gehören die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche. Dieser Bereich umfasst ungefähr drei Viertel der gesamten Laufflächenbreite. Die schmalen Einschnitte, Lamellen und äußeren Randbereiche werden bei der gesetzlichen Beurteilung nicht in gleicher Weise berücksichtigt.
Wichtig: 1,6 Millimeter sind nur die gesetzliche Untergrenze
Ein Reifen mit knapp über 1,6 Millimetern Profil ist nicht automatisch unter allen Bedingungen sicher. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beschreibt die Grenze, unterhalb der ein Reifen nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr verwendet werden darf. Für eine ausreichende Reserve bei Regen, Schnee und Schneematsch werden deutlich höhere Werte empfohlen.
Unterschreitet das Hauptprofil an einer relevanten Stelle die vorgeschriebene Tiefe, gilt der Reifen als nicht vorschriftsmäßig. Dabei spielt es keine Rolle, ob an anderen Stellen noch mehr Profil vorhanden ist. Der niedrigste Wert ist entscheidend.
Empfohlene Profiltiefe bei Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen
Die gesetzliche Grenze ist bei den verschiedenen Reifenarten gleich. Die empfohlenen Wechselgrenzen unterscheiden sich jedoch, weil Sommer- und Winterreifen für unterschiedliche Straßen- und Temperaturverhältnisse entwickelt wurden.
| Reifenart | Gesetzliche Mindestprofiltiefe | Empfehlung für mehr Sicherheit |
|---|---|---|
| Sommerreifen | 1,6 mm | Wechsel möglichst ab etwa 3 mm einplanen |
| Winterreifen | 1,6 mm | Für den Wintereinsatz möglichst mindestens 4 mm |
| Ganzjahresreifen | 1,6 mm | Bei Wintereinsatz möglichst mindestens 4 mm |
Sommerreifen: Wechsel ab etwa 3 Millimetern einplanen
Sommerreifen müssen vor allem auf trockener und nasser Fahrbahn bei höheren Temperaturen zuverlässig funktionieren. Mit sinkender Profiltiefe kann das Wasser schlechter aus der Aufstandsfläche abgeleitet werden. Das macht sich insbesondere bei starkem Regen, Spurrillen und höherer Geschwindigkeit bemerkbar.
Obwohl Sommerreifen bis zur gesetzlichen Grenze von 1,6 Millimetern verwendet werden dürfen, wird aus Sicherheitsgründen häufig ein Austausch ab ungefähr 3 Millimetern empfohlen. Wer regelmäßig lange Strecken fährt, häufig auf Autobahnen unterwegs ist oder auch bei starkem Regen mobil sein muss, sollte die verbleibende Reserve besonders kritisch beurteilen.
Winterreifen: Warum 4 Millimeter als wichtige Orientierung gelten
Winterreifen benötigen ausreichend tiefe Profilrillen und funktionsfähige Lamellen, damit sie Schnee aufnehmen und sich mit winterlichen Fahrbahnen verzahnen können. Bei einer Profiltiefe von weniger als etwa 4 Millimetern lässt diese Wirkung zunehmend nach.
In Deutschland bleibt zwar auch ein Winterreifen mit weniger als 4 Millimetern bis zur gesetzlichen Grenze grundsätzlich zulässig. Für Schnee, Eis und Schneematsch bietet er jedoch möglicherweise keine ausreichende Sicherheitsreserve mehr. Zusätzlich gelten in verschiedenen europäischen Ländern strengere Anforderungen an Winterreifen. Vor einer Auslandsfahrt sollten deshalb immer die aktuellen Vorschriften des jeweiligen Reiselandes und der Transitländer geprüft werden.
Ganzjahresreifen: Profiltiefe nach dem tatsächlichen Einsatz bewerten
Ganzjahresreifen vereinen Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen. Werden sie auch bei winterlichen Straßenverhältnissen eingesetzt, sollte ihre Profiltiefe wie bei Winterreifen beurteilt werden. Ein Ganzjahresreifen mit nur noch knapp 3 Millimetern Profil kann im Sommer rechtlich noch zulässig sein, für Schnee und Schneematsch aber bereits zu wenig Reserve besitzen.
Für den Wintereinsatz ist außerdem die vorgeschriebene Kennzeichnung des Reifens zu beachten. Die Profiltiefe allein macht einen Reifen nicht zu einem zulässigen Winterreifen.
Wo und wie wird die Reifenprofiltiefe richtig gemessen?
Eine zuverlässige Messung erfolgt nicht nur an einer beliebigen Stelle des Reifens. Da sich Reifen ungleichmäßig abnutzen können, sollte jeder Reifen an mehreren Punkten kontrolliert werden.
Die richtige Messstelle
Gemessen wird in den breiten Hauptprofilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche. Der Messstab eines Profiltiefenmessers wird bis auf den Grund der Profilrille geführt. Kleine Lamellen, oberflächliche Einschnitte und die äußersten Reifenschultern sind für die eigentliche Messung des Hauptprofils nicht ausschlaggebend.
Die Messung sollte an mindestens drei Stellen über den Reifenumfang erfolgen. Zusätzlich empfiehlt es sich, den inneren, mittleren und äußeren Bereich der Lauffläche miteinander zu vergleichen. So lässt sich erkennen, ob der Reifen einseitig oder in der Mitte stärker abgefahren ist.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Fahrzeug sicher abstellen: Das Fahrzeug auf einer ebenen Fläche parken, die Feststellbremse betätigen und den Motor ausschalten.
- Lenkung einschlagen: Bei den Vorderrädern kann ein vollständiges Einschlagen der Lenkung den Zugang zur Lauffläche erleichtern.
- Profil reinigen: Kleine Steine, Schmutz oder andere Fremdkörper aus der zu messenden Rille entfernen.
- Hauptprofil auswählen: Eine breite Profilrille im mittleren Bereich der Lauffläche verwenden.
- Messgerät gerade ansetzen: Den Messdorn senkrecht bis zum Rillengrund führen. Das Gerät darf nicht schräg auf einem Profilblock aufliegen.
- Mehrfach messen: Die Messung an mehreren Stellen über den gesamten Reifenumfang wiederholen.
- Reifenbreite vergleichen: Innen, mittig und außen kontrollieren, um einseitigen Verschleiß zu erkennen.
- Niedrigsten Wert notieren: Für die Beurteilung zählt immer die geringste festgestellte Profiltiefe.
- Alle Reifen prüfen: Die Messung an sämtlichen Reifen durchführen und gegebenenfalls auch das vorhandene Reserverad kontrollieren.
Praxis-Tipp
Messen Sie die Profiltiefe nicht direkt auf einem Verschleißindikator. Der Messdorn muss neben dem kleinen Gummisteg bis auf den tatsächlichen Grund der Profilrille reichen.
Reifenprofiltiefe messen: Welche Methoden gibt es?
Für eine erste Einschätzung stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Die genaueste und zugleich unkomplizierteste Lösung ist ein mechanischer oder digitaler Profiltiefenmesser. Münztests und Verschleißindikatoren dienen eher als schnelle Orientierung.
1. Mechanischer Profiltiefenmesser
Ein mechanischer Profiltiefenmesser besitzt einen beweglichen Messstab und eine Skala. Das Gerät wird auf die benachbarten Profilblöcke aufgesetzt, während der Messstab bis zum Rillengrund reicht. Anschließend kann die verbleibende Tiefe an der Skala abgelesen werden.
Mechanische Messgeräte benötigen keine Batterie, sind klein und für regelmäßige Kontrollen vollkommen ausreichend. Wichtig ist, das Gerät gerade anzusetzen und nicht auf einem Stein oder Verschleißindikator zu messen.
2. Digitaler Profiltiefenmesser
Ein digitaler Profiltiefenmesser funktioniert nach demselben Prinzip, zeigt das Ergebnis aber auf einem Display an. Das erleichtert das Ablesen und den Vergleich mehrerer Messwerte. Vor der Messung sollte das Gerät auf einer ebenen Fläche auf null gesetzt werden.
Auch bei einem digitalen Gerät hängt die Genauigkeit von der richtigen Anwendung ab. Ein schräg angesetzter Messdorn oder eine Messung an der falschen Stelle kann trotz Digitalanzeige ein unzutreffendes Ergebnis liefern.
3. Profiltiefe mit einer 1-Euro-Münze einschätzen
Der goldfarbene Rand einer 1-Euro-Münze ist ungefähr 3 Millimeter breit. Wird die Münze senkrecht in eine Hauptprofilrille eines Sommerreifens gesteckt und der goldene Rand verschwindet vollständig, sind an dieser Stelle noch ungefähr 3 Millimeter oder mehr Profil vorhanden.
Bleibt ein Teil des goldenen Randes sichtbar, liegt die Profiltiefe unterhalb dieser Orientierung. Der Reifen kann damit noch über der gesetzlichen Grenze von 1,6 Millimetern liegen. Ein genauer Messwert lässt sich mit der Münze jedoch nicht feststellen. Spätestens dann sollte mit einem Profiltiefenmesser nachgemessen werden.
4. Sichtprüfung der TWI-Verschleißindikatoren
Die Verschleißindikatoren in den Hauptprofilrillen zeigen an, wann das Profil ungefähr die gesetzliche Mindesttiefe erreicht hat. Sind die angrenzenden Profilblöcke bis auf die Höhe dieser Stege abgefahren, muss der Reifen ersetzt werden.
Die TWI-Kontrolle ist hilfreich, ersetzt aber keine regelmäßige Messung. Sie zeigt erst den weit fortgeschrittenen Verschleiß nahe der gesetzlichen Grenze an und berücksichtigt keine höhere Sicherheitsreserve für Sommer- oder Winterreifen.
5. Messung in einer Werkstatt
Bei Unsicherheit kann die Profiltiefe professionell kontrolliert werden. Neben der reinen Tiefe lassen sich dabei auch Beschädigungen, einseitiger Abrieb, ein falsches Tragbild und Auffälligkeiten an Reifenflanke oder Felge beurteilen.
Was bedeuten TWI und Verschleißindikatoren am Reifen?
TWI steht für Tread Wear Indicator. Dabei handelt es sich um kleine erhabene Gummistege, die sich an mehreren Stellen im Grund der Hauptprofilrillen befinden. Auf der Reifenflanke markieren häufig kleine Dreiecke, Pfeile oder die Buchstaben „TWI“, an welchen Positionen die Stege zu finden sind.
Die Stege sind so ausgelegt, dass sie ungefähr auf Höhe der gesetzlichen Verschleißgrenze liegen. Solange die umliegenden Profilblöcke deutlich höher als der TWI sind, ist noch Profil vorhanden. Sind Profilblöcke und Indikator nahezu bündig, ist die Verschleißgrenze erreicht.
TWI bedeutet nicht „noch ausreichend sicher“
Die Verschleißanzeiger orientieren sich normalerweise an der gesetzlichen Mindesttiefe. Sie zeigen nicht an, ob ein Sommerreifen noch mindestens 3 Millimeter oder ein Winterreifen noch mindestens 4 Millimeter Profil besitzt. Wer erst bei bündigen TWI-Stegen reagiert, hat die empfohlenen Sicherheitswerte bereits deutlich unterschritten.
Ungleichmäßig abgefahrene Reifen richtig beurteilen
Reifen nutzen sich nicht immer gleichmäßig über die gesamte Lauffläche ab. Deshalb reicht eine einzige Messung in der Mitte nicht aus. Auffällige Verschleißbilder können außerdem auf falschen Reifendruck, Probleme an Fahrwerk oder Lenkung sowie eine fehlerhafte Achsgeometrie hinweisen.
Profil in der Mitte stärker abgefahren
Ist die Mitte der Lauffläche deutlich stärker abgenutzt als die Außenbereiche, kann ein über längere Zeit zu hoher Reifendruck eine mögliche Ursache sein. Dadurch konzentriert sich die Belastung stärker auf den mittleren Bereich.
Beide Reifenschultern stärker abgefahren
Ein verstärkter Abrieb an beiden Außenseiten kann auf zu niedrigen Reifendruck hindeuten. Der Reifen verformt sich stärker und belastet die Schultern übermäßig. Auch hohe Zuladung bei nicht angepasstem Luftdruck kann dieses Verschleißbild begünstigen.
Nur eine Seite des Reifens abgefahren
Ist nur die innere oder äußere Schulter deutlich abgenutzt, kommen unter anderem eine fehlerhafte Spur- oder Sturzeinstellung, ausgeschlagene Fahrwerksteile oder Schäden nach einem starken Kontakt mit Bordsteinen oder Schlaglöchern infrage.
Sägezahnbildung und unregelmäßige Profilblöcke
Fühlen sich die Profilblöcke in einer Laufrichtung glatt und in der anderen Richtung kantig an, kann eine sogenannte Sägezahnbildung vorliegen. Sie kann mit Fahrwerkseinstellungen, Reifenposition, Luftdruck, Fahrweise und Reifenkonstruktion zusammenhängen. Häufig macht sie sich zusätzlich durch zunehmende Abrollgeräusche bemerkbar.
Bei auffälligem oder stark unterschiedlichem Reifenverschleiß sollte nicht lediglich der Reifen ausgetauscht werden. Die Ursache sollte ebenfalls geprüft werden, damit sich der neue Reifen nicht erneut vorzeitig oder einseitig abnutzt.
Wo messen TÜV und Polizei die Profiltiefe?
Bei einer Hauptuntersuchung oder Verkehrskontrolle wird das gesetzlich relevante Hauptprofil betrachtet. Entscheidend sind die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche. Kontrolliert wird dort, wo der Reifen am stärksten abgenutzt ist.
Liegt die Profiltiefe an einer maßgeblichen Stelle unter 1,6 Millimetern, genügt es nicht, dass derselbe Reifen an anderen Punkten noch mehr Profil besitzt. Ein Durchschnittswert wird nicht gebildet.
Reichen 3 Millimeter für die Hauptuntersuchung?
Bei einem Pkw-Reifen liegen 3 Millimeter grundsätzlich über der gesetzlichen Mindestprofiltiefe. Die Profiltiefe allein wäre damit normalerweise kein Grund, die Hauptuntersuchung nicht zu bestehen. Der Reifen wird jedoch insgesamt beurteilt. Risse, Beulen, sichtbare Gewebeschichten, Beschädigungen, Fremdkörper oder eine unzulässige Reifenkombination können unabhängig vom gemessenen Profil beanstandet werden.
Welche Folgen können abgefahrene Reifen haben?
Reifen unterhalb der gesetzlichen Mindestprofiltiefe können zu einem Bußgeld und einem Punkt im Fahreignungsregister führen. Bei Behinderung, Gefährdung oder einem Unfall können weitere Folgen hinzukommen. Außerdem kann ein technisch mangelhafter Reifen bei der Haftungs- und Versicherungsprüfung nach einem Unfall relevant werden.
Wann sollten Reifen ausgetauscht werden?
Die Profiltiefe ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund für einen Reifenwechsel. Auch ausreichend profilierte Reifen können durch Alterung, Beschädigungen oder eine ungünstige Abnutzung ihre Verkehrssicherheit verlieren.
Ein Reifenwechsel sollte geprüft werden, wenn:
- die gesetzliche Mindestprofiltiefe erreicht oder unterschritten ist,
- Sommerreifen nur noch ungefähr 3 Millimeter Profil besitzen,
- Winter- oder Ganzjahresreifen für den Wintereinsatz nur noch ungefähr 4 Millimeter Profil besitzen,
- Risse, Beulen, Schnitte oder poröse Stellen sichtbar sind,
- ein Fremdkörper tief in der Lauffläche steckt,
- Gewebe, Karkasse oder andere innere Reifenschichten sichtbar werden,
- der Reifen stark einseitig oder unregelmäßig abgefahren ist,
- ungewöhnliche Vibrationen oder Abrollgeräusche auftreten,
- der Reifen durch einen Bordsteinaufprall oder ein tiefes Schlagloch belastet wurde,
- das Gummi altersbedingt verhärtet oder sichtbar rissig geworden ist.
Reifenalter anhand der DOT-Kennzeichnung bestimmen
Das Herstellungsdatum eines Reifens lässt sich an der DOT-Kennzeichnung auf der Reifenflanke erkennen. Die letzten vier Ziffern geben Produktionswoche und Produktionsjahr an. Die Kennzeichnung „2324“ bedeutet beispielsweise, dass der Reifen in der 23. Kalenderwoche des Jahres 2024 hergestellt wurde.
In Deutschland gibt es für normale Pkw-Reifen keine allgemeine gesetzliche Altersgrenze. Trotzdem verändert sich die Gummimischung mit der Zeit. Wärme, UV-Strahlung, Feuchtigkeit, Standzeiten und mechanische Belastungen können den Alterungsprozess beeinflussen. Das tatsächliche Reifenalter sollte daher immer gemeinsam mit Profiltiefe, sichtbarem Zustand und Fahrverhalten beurteilt werden.
Nur einen Reifen oder immer zwei Reifen wechseln?
Reifen auf derselben Achse sollten hinsichtlich Bauart, Dimension, Profil und Verschleißzustand möglichst übereinstimmen. In vielen Fällen ist deshalb ein achsweiser Austausch sinnvoll. Werden nur zwei Reifen erneuert, wird das Reifenpaar mit der besseren Haftung in der Regel auf der Hinterachse montiert. Eine stabile Hinterachse reduziert die Gefahr, dass das Fahrzeug in einer Kurve oder bei einem Ausweichmanöver mit dem Heck ausbricht.
Ob ein einzelner Reifen ersetzt werden kann, hängt unter anderem von Profildifferenz, Reifenmodell, Fahrzeug, Antriebssystem und Herstellervorgaben ab. Bei Allradfahrzeugen können größere Unterschiede im Abrollumfang technisch problematisch sein.
Wie lässt sich unnötiger Reifenverschleiß vermeiden?
Reifenverschleiß lässt sich nicht vollständig verhindern. Mit einer regelmäßigen Kontrolle und einer angepassten Fahrweise kann die Lebensdauer der Reifen jedoch häufig verbessert werden.
Reifendruck regelmäßig kontrollieren
Ein zu niedriger oder zu hoher Luftdruck beeinflusst das Fahrverhalten und das Verschleißbild. Der passende Wert richtet sich nach Fahrzeug, Bereifung und Beladung. Die Herstellerangaben befinden sich häufig im Tankdeckel, an der B-Säule, im Türrahmen oder in der Betriebsanleitung.
Der Luftdruck sollte bei kalten Reifen gemessen werden. Vor längeren Fahrten, bei hoher Beladung und vor Urlaubsreisen ist eine zusätzliche Kontrolle empfehlenswert.
Vorausschauend fahren
Starkes Beschleunigen, abruptes Bremsen und schnelle Kurvenfahrten erhöhen den Reifenabrieb. Eine gleichmäßige, vorausschauende Fahrweise schont nicht nur die Reifen, sondern kann auch Kraftstoff- beziehungsweise Energieverbrauch und Belastung anderer Fahrzeugkomponenten reduzieren.
Bordsteine und Schlaglöcher vermeiden
Harte Stöße können Reifenflanke, Karkasse, Felge und Fahrwerk beschädigen. Bordsteine sollten möglichst langsam und in einem geeigneten Winkel überfahren werden. Nach einem starken Aufprall sind Reifen und Felge auf sichtbare Schäden, Druckverlust und ungewöhnliche Vibrationen zu prüfen.
Achsgeometrie und Fahrwerk kontrollieren
Ein schief stehendes Lenkrad, einseitiges Ziehen, ungewöhnlicher Reifenabrieb oder Veränderungen nach einem Bordsteinkontakt können auf eine verstellte Achsgeometrie hinweisen. Eine rechtzeitige Prüfung kann verhindern, dass sich ein neuer Reifen innerhalb kurzer Zeit erneut einseitig abnutzt.
Reifen richtig lagern
Nicht montierte Reifen sollten kühl, trocken, sauber und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt gelagert werden. Reifen auf Felgen können liegend gestapelt oder an geeigneten Halterungen aufgehängt werden. Reifen ohne Felgen werden normalerweise stehend gelagert und gelegentlich gedreht.
Checkliste: Reifenprofil regelmäßig kontrollieren
- Profiltiefe etwa einmal im Monat kontrollieren
- zusätzliche Kontrolle vor längeren Fahrten und Urlaubsreisen
- alle vier Reifen einzeln prüfen
- pro Reifen an mehreren Stellen messen
- inneren, mittleren und äußeren Bereich vergleichen
- immer den niedrigsten Messwert berücksichtigen
- Reifendruck bei kalten Reifen kontrollieren
- Reifenflanken auf Risse, Beulen und Schnitte untersuchen
- Profil auf Fremdkörper und ungleichmäßigen Abrieb prüfen
- DOT-Nummer und Reifenalter im Blick behalten
- vor Auslandsfahrten länderspezifische Vorschriften prüfen
Häufig gestellte Fragen zur Reifenprofiltiefe
Für Pkw-Reifen gilt in Deutschland eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Gemessen wird im Hauptprofil, also in den breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche. Unterschreitet der Reifen diesen Wert an einer maßgeblichen Stelle, darf er im öffentlichen Straßenverkehr nicht weiterverwendet werden.
Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter. Für eine bessere Sicherheitsreserve bei Regen und Aquaplaning werden bei Sommerreifen jedoch mindestens etwa 3 Millimeter empfohlen. Spätestens beim Erreichen dieses Bereichs sollte der bevorstehende Reifenwechsel eingeplant werden.
Auch für Winterreifen liegt die gesetzliche Mindestprofiltiefe in Deutschland bei 1,6 Millimetern. Für eine ausreichende Wirkung auf Schnee und Schneematsch werden jedoch mindestens etwa 4 Millimeter empfohlen. Unterhalb dieses Wertes können Traktion und Bremsleistung bei winterlichen Bedingungen deutlich nachlassen.
Ganzjahresreifen müssen gesetzlich mindestens 1,6 Millimeter Profil besitzen. Werden sie auch bei Schnee, Eis oder Schneematsch eingesetzt, sollten sie wie Winterreifen beurteilt werden und möglichst noch mindestens 4 Millimeter Profiltiefe aufweisen.
Gemessen wird in den breiten Hauptprofilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche. Die Messung sollte an mehreren Stellen über den gesamten Reifenumfang sowie im inneren, mittleren und äußeren Bereich erfolgen. Entscheidend ist der niedrigste festgestellte Wert.
Eine Kontrolle etwa einmal im Monat ist eine sinnvolle Orientierung. Zusätzlich sollte das Reifenprofil vor längeren Fahrten, vor Urlaubsreisen, beim saisonalen Räderwechsel und bei sichtbaren Auffälligkeiten geprüft werden.
Eine 1-Euro-Münze eignet sich für eine grobe Einschätzung. Ihr goldfarbener Rand ist ungefähr 3 Millimeter breit. Verschwindet der Rand vollständig in einer Hauptprofilrille, sind dort ungefähr 3 Millimeter oder mehr Profil vorhanden. Eine exakte Messung ersetzt der Münztest nicht.
TWI steht für Tread Wear Indicator. Das sind kleine Gummistege in den Hauptprofilrillen. Sind diese Stege mit den angrenzenden Profilblöcken nahezu bündig, ist die gesetzliche Verschleißgrenze ungefähr erreicht und der Reifen muss ersetzt werden.
Bei der Hauptuntersuchung wird das Hauptprofil in den breiten Rillen des mittleren Laufflächenbereichs geprüft. Maßgeblich ist die am stärksten abgefahrene relevante Stelle. Ein höherer Wert an einer anderen Position gleicht eine Unterschreitung nicht aus.
Drei Millimeter liegen bei einem Pkw-Reifen über der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Sofern der Reifen keine weiteren Mängel wie Risse, Beulen, sichtbare Gewebeschichten oder unzulässige Beschädigungen aufweist, ist die Profiltiefe allein normalerweise kein Grund für das Nichtbestehen der Hauptuntersuchung.
Ein Sommerreifen mit 3,5 Millimetern liegt über der gesetzlichen Mindestgrenze und auch noch über der häufig empfohlenen Wechselorientierung von 3 Millimetern. Dennoch müssen Zustand, Alter und gleichmäßiger Abrieb berücksichtigt werden. Bei häufigen Fahrten im Starkregen sollte die verbleibende Reserve besonders aufmerksam kontrolliert werden.
In Deutschland dürfen Winterreifen mit 4 Millimetern Profiltiefe grundsätzlich noch gefahren werden, sofern sie ansonsten verkehrssicher und ordnungsgemäß gekennzeichnet sind. Vier Millimeter gelten jedoch bereits als wichtige Wechselorientierung, weil die Wintereigenschaften bei weiter abnehmendem Profil nachlassen.
Eine verlässliche Restlaufleistung lässt sich aus der Profiltiefe allein nicht berechnen. Der weitere Abrieb hängt unter anderem von Reifenmodell, Fahrzeuggewicht, Achsgeometrie, Reifendruck, Fahrstil, Straßenbelag, Temperatur und Einsatzgebiet ab. Regelmäßiges Nachmessen ist zuverlässiger als eine pauschale Kilometerangabe.
Bei einem Pkw liegt ein Reifen mit 2 Millimetern noch knapp über der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Die Sicherheitsreserve bei Nässe ist jedoch bereits gering. Bei Sommerreifen liegt der Wert unter der Empfehlung von etwa 3 Millimetern, weshalb ein zeitnaher Austausch sinnvoll ist.
Unterschreitet das gesetzlich relevante Hauptprofil an einer Stelle die Mindesttiefe von 1,6 Millimetern, gilt der Reifen als nicht vorschriftsmäßig. Die übrigen Messstellen werden nicht zu einem Durchschnitt verrechnet. Zusätzlich sollte die Ursache des einseitigen oder punktuellen Verschleißes geprüft werden.
Ein verstärkter Abrieb an der Innenseite kann unter anderem durch eine fehlerhafte Spur- oder Sturzeinstellung, verschlissene Fahrwerksteile oder eine fahrzeugspezifische Achsgeometrie verursacht werden. Der Reifen und die technische Ursache sollten zeitnah fachgerecht geprüft werden.
Ja. Risse, Beulen, Schnitte, poröses Gummi, sichtbare Karkassenteile, starke Alterung oder ein tief eingefahrener Fremdkörper können einen Austausch erforderlich machen, obwohl noch ausreichend Profil vorhanden ist. Die Profiltiefe ist nur eines von mehreren Beurteilungskriterien.
Das Produktionsdatum steht in der DOT-Kennzeichnung auf der Reifenflanke. Die letzten vier Ziffern nennen Kalenderwoche und Produktionsjahr. Die Angabe 2324 steht beispielsweise für die 23. Kalenderwoche des Jahres 2024.
Ja, insbesondere für Winterreifen können im Ausland strengere Vorgaben gelten. In einigen Ländern verlieren Reifen unterhalb einer bestimmten Profiltiefe ihre rechtliche Anerkennung als Winterreifen. Vor der Reise sollten deshalb die aktuellen Vorschriften des Ziel- und aller Transitländer geprüft werden.
Werden nur zwei Reifen erneuert, wird das Reifenpaar mit der besseren Haftung in der Regel auf der Hinterachse montiert. Eine stabile Hinterachse ist für die Fahrstabilität besonders wichtig und verringert die Gefahr eines ausbrechenden Fahrzeughecks.
